Achtung Spoileralarm! - Lest den zweiten Abschnitt des Artikel nicht, wenn ihr euch „10 Cloverfield Lane“ ansehen wollt.

13th Apr, 2016

Ein kryptisches Filmplakat, ein mysteriöser Trailer – das bringt uns Zuschauer schon vorm Kinostart dazu, an den Fingernägeln zu kauen und heftige Spekulationen über den Inhalt des Filmes anzustellen. Blöd nur, wenn auf dem Plakat die große Frage des Film bereits beantwortet wird.

Wer hätte gedacht, dass in Zeiten digitaler Vermarktung nicht etwa vorab veröffentlichte Videozusammenschnitte sondern das gute alte Filmplakat heftige Spoilergefahr birgt. Am 31. März lief in deutschen Kinos JJ Abrams „10 Cloverfield Lane“ an. Was der Trailer vorab zeigt: Eine scheinbare Familienidylle, oder doch nicht? Man puzzelt, man isst zusammen. Ok, es wirkt seltsam, dass die beiden Jüngeren schon erwachsen sind. Noch eigenartiger, dass sie sich in einem Keller oder Bunker aufzuhalten scheinen. So langsam kippt die Stimmung. Die junge Frau will raus, der ältere Mann versucht sie mit allen Mitteln davon abzuhalten. Was erwartet sie da draußen? Was zur Hölle geht in der Welt eigentlich vor sich? Und genau darin besteht der besondere Reiz für den Zuschauer: Er spekuliert darüber, was die unheimliche Bedrohung an der Oberfläche ist.

Spoilerfalle Filmplakat: Wenn uns das Ende eines Films vor Augen gehalten wird

Dank der großartigen, zurückhaltenden Marketingkampagne bleibt diese Frage unbeantwortet. Außer man sieht sich den Film in Thailand an. Hier wird einem die Antwort beim Anblick des Filmplakates geradezu ins Gesicht geschleudert. Vergleicht man die Plakate mit der deutschen bzw. amerikanischen Kampagne wird der Unterschied offensichtlich: Hauptdarstellerin wird von einem nicht-humanoiden Luftschiff (vermutlich außerirdischer Natur) verfolgt vs. Haus im Feld vor aufziehendem Gewitter und lediglich schriftlicher Hinweis auf „Monster“. Zeigt uns das thailändische Plakat, mit welcher Art von Monstern wir es zu tun haben werden, bleibt die Interpretation der Monster in der deutschen Version offen. Hat man zudem den deutschen Trailer gesehen, ist man sehr geneigt, John Goodman Monströses zu unterstellen – eine Suggestion, mit der die Marketingkampagne natürlich bewusst spielt.

Doch dieses Beispiel ist selbstverständlich nicht das einzige, in der ein Filmplakat den Spannungsbogen des Filmes bereits vorab verpuffen lässt. Hier kommen unserer Top 3 der Spoiler-Filmplakate: Rocky IV – Wie der Kampf wohl enden wird? Tja, den Film braucht man zur Beantwortung dieser Frage wohl nicht zu sehen. Ein Blick auf's Plakat genügt. Free Willy – Dass die Befreiungsmission gelingen wird liegt nahe. Oder springt der Orca hier etwa zurück in den Vergnügungspark? The Cabin in the Woods – Wie der Urlaub für die fünf jungen Menschen endet, dürfte dank japanischer Posterversion klar sein.

Es hat schon seinen besonderen Reiz, vor dem Start eines neuen Blockbusters über dem Filmplakat zu brüten und nach Hinweisen auf die Entschlüsselung des Geheimnisses zu suchen. Ob Filmplakate, die als Spoiler fungieren, tatsächlich eine gute Marketingidee sind? Das dürfte angesichts des Ärgers, den sie bei potenziellen Zuschauern auslösen, fragwürdig sein. Wie hingegen professionelle Marketingkampagnen inklusive eines fesselnden Filmplakates funktionieren, verraten wir von torpedo euch gern.