Am Anfang war das A. - Die Welt der Typographie

10th Feb, 2016

Zeig mir deine Schrift und ich sag dir, wer du bist. Welche kreativen Köpfe hinter berühmten Schriftarten stecken und wie wichtig die Schrift für’s Corporate Design ist.

Habt Ihr je darüber nachgedacht, wie viele Schriftarten euch täglich begegnen? Wie liest sich ein Tag in eurem Leben - angefangen beim Blick auf die Zahnpastatube, vorbei an den städtischen Plakaten, das Post-it am PC, die Speisekarte im Restaurant?

Ein echter Typomaniac

Wir sind umgeben von Schrift, nur nehmen wir sie oftmals nicht bewusst wahr. Oder vielmehr: Wir nehmen ihre gestalterischen Prinzipien oftmals nicht wahr. Hinter jeder (populären) Schriftart steckt deshalb oftmals nicht nur eine interessante Story sondern auch eine beeindruckende Persönlichkeit. Einer der einflussreichsten Typographen unserer Zeit ist Erik Spiekermann. Er hat die Hausschriften für die Deutsche Bahn, die Berliner Verkehrsbetriebe und den Düsseldorfer Flughafen kreiert. Auch die Logos des ZDF, von Audi und VW gehen auf seine Kappe. Dadurch hat er wesentlich dazu beigetragen, ein Bewusstsein für Corporate Design in Deutschland zu schaffen. Darüber hinaus hat er etwa 25 Schriftarten entwickelt, darunter die „Officina“ und die legendäre „Meta“. Letztere gilt schon heute als Klassiker und ist im MOMA in New York ausgestellt. Über sich selbst sagt Spiekermann, dass er an „Typomanie“ leide. „Ich liebe Schrift, ich liebe es, Schrift zu betrachten. Ich habe einfach meine helle Freude daran: Schriften sind meine Freunde. Andere schauen sich Weinflaschen an oder was auch immer, oder sie schauen Frauen auf den Hintern, Sie wissen schon. Mir machen Schriften einen Heidenspaß.“ (Erik Spiekermann, „Hallo, ich bin Erik“ 2014)

Unbeliebte Schriftarten - die enfants terribles der Grafikdesigner

Nicht jeder Typograph ist heute noch gut auf seine Schriftkinder anzusprechen. Unter vielen Grafikdesignern sind bestimmte Schriftarten als ein absolutes No-Go angesehen. Denkt mal an eure letzten privaten Einladungen zu Geburtstagen. Na, kamen die nicht besonders fetzig in „Comic Sans“ daher? Seit 1995 gehört diese Schriftart zum Windows-Standardinventar. Entwickelt wurde sie von Vincent Connare. Der entwarf sie allerdings für Sprechblasen von Comic-Charakteren, die durch die Benutzeroberfläche von Windows führen sollten. Den fatalen „Missbrauch“ durch abermillionen Nutzer konnte er natürlich nicht voraussehen. Nicht weniger verschmäht ist die gemeinhin ägyptisch anmutende „Papyrus“. Der Name kommt nicht von ungefähr. Chris Costello entwarf 1982 über ein halbes Jahr mit Kalligrafie-Stift und Papier jeden einzelnen Buchstaben per Hand. Sein Ziel war es, englische Texte so aussehen zu lassen, als seien sie vor über 2000 Jahren auf Papyrus geschrieben worden. Tatsächlich hatte Costello Probleme seine Schrift verkaufen zu können. Heute gehört sie ebenso wie Comic Sans zum Windows-Inventar und wird nicht selten für Newsletter oder Hypothekenwerbung genutzt. Letztes, sehr prominentes Beispiel für die Verwendung von Papyrus ist übrigens der Titelschriftzug von James Camerons „Avatar“.

Starletts der Schriftarten

Die derzeit teuerste Schriftart heißt „Lexicon“ und wurde vom niederländischen Typographen Bram de Does entwickelt. Knapp 5000 US-Dollar darf man für das Gesamtpaket hinblättern. Damit sollen vor allem anspruchsvolle Kunden, die etwas Exklusives suchen, angesprochen werden. Schöne Schrift geht aber auch günstiger. Die Liste der 100 besten Schriften aller Zeiten adelt „Helvetica“ mit Platz eins, gefolgt von „Garamond“ und „Frutiger“. Neben speziellen Designfeatures, die Einfluss auf die Lesbarkeit der Schrift - vor allem auch an Bildschirm und Displays - haben, spielen natürlich auch Assoziationen, Gewohnheiten und Vorurteile eine wichtige Rolle. Dem deutschen Leser fällt es z.B. schwer Bücher in „Aria“ zu lesen. Der jüngere Leser wird nicht mehr „Fraktur“ lesen können. Die Wahl der richtigen Schriftart ist eine knifflige und nicht selten heikle Angelegenheit. Sie hat nicht nur Einfluss auf die Wirkung des kommunizierten Inhalts sondern ist auch wichtiger Teil des Corporate Design. Wisst ihr, was die von euch verwendete Schriftart über euch aussagt? Nutzt ihr die Schriftart als Teil eures Corporate Design?