Mobile first oder doch erst die Desktop-Variante?

1st Oct, 2015

Was sagen Designer dazu – und was sagt man zum Design ...

Auf der diesjährigen dmexco war der Trend, in welche Richtung es zukünftig für Screendesigns und generelle Web-Konzepte gehen soll, ganz klar. „Mobile first“ hieß es in wohl jedem Vortrag mindestens zweimal und immer wieder wurde darauf verwiesen, dass man ganz klar immer zuerst für Mobile konzipieren soll und dann erst für die Desktop-Variante. Dass der Trend zu Mobile geht bzw. längst besteht, das wissen wir, spätestens seit Anfang diesen Jahres – und nicht umsonst hatten alle Webseiten, die nicht Responsive angelegt waren, im Google-Ranking das Nachsehen.

„Mobile first“ ist also in aller Munde und längst kein neues Motto mehr, aber wie sieht es im tatsächlichen Arbeitsalltag von Designern aus? Wie wirkt sich diese Entwicklung auf die Arbeitsweise aus? Für welche Projekte eignet sich welche Arbeitsweise? Mittlerweile konzipiert kein Designer eine Webseite, die nur für die Desktop-Variante angelegt ist. Zu jedem Screendesigns gehört jetzt nicht mehr nur die „normale“ Variante, sondern auch noch die Ansicht Smartphone längs, Smartphone quer, Tablet längs und Tablet quer. Aus unserer eigenen Arbeitsweise heraus und durch die Gespräche mit verschiedenen Designern hat sich herausgestellt, dass es sich für die meisten Projekte nach wie vor anbietet, zuerst die Desktop-Variante anzugehen – natürlich schon mit dem Hinblick auf die anderen Ansichten. Hier werden verschiedene Grids angelegt, die sich dann in allen Ansichten wiederfinden. So ist die Konzeption von Anfang an auf die verschiedenen Ansichten ausgelegt und die Designer überlegen sich, welche Inhalte nur auf dem Desktop zu sehen sein sollen und welche auch für mobiel angelegt werden. Hier gehen die Meinungen zum Teil schon auseinander. Die einen finden, dass nur bestimmte und ausgewählte Inhalte mobile zu sehen sein sollen und die anderen sagen, alle Inhalte sollen für alle Ansichten und Medien zur Verfügung stehen. Eine unterschiedliche Bereitstellung der Inhalte setzt auch wieder konzeptuelle Überlegungen voraus. Und wie entscheidet man, welche Inhalte man für mobile tatsächlich aussortiert? Wir finden, dass grundsätzlich erst einmal alle Infos für jedes Endgerät zugänglich sein sollten. Zusätzlich Tabellen, eingebundene PDF-Dateien und Infografiken gehören aber tatsächlich nicht dazu – zumindest nicht für das Smartphone, beim Tablet sieht es dann schon wieder anders aus. Von der Arbeitsweise her ist es so, dass für die meisten Webseiten-Projekte immer noch von einer Desktop-Variante augegangen wird – denn es ist einfacher, von groß auf klein umzubrechen, als anders herum. Vor allem, wenn man davon ausgeht, dass man doch nicht alle Inhalte für mobile zulassen will. So müsste man in diesem Fall – ganz im Sinne von mobile first – erst die mobile „abgespeckte“ Version designen und konzipieren und im Anschluss die große Ansicht mit weiteren Inhalten füllen. Und mal ehrlich – kürzen und umstrukturieren ist doch einfacher, als im Nachhinein noch etwas dazu zu erstellen. So heißt es also unter Designern doch eher von Groß zu Klein – von Desktop zu mobile. Na ja – dann doch nicht immer. So gibt es Plattformen, wie beispielsweise Tripadvisor oder auch Pinterest und Instagram, die vermehrt mobile genutzt werden. Die Desktop-Varianten sind in diesem Fall eher simpel gehalten und der Fokus lag bei der Konzeption auf der Navigation, der Performance und dem Design der mobilen Ansicht. Bei diesen Beispielen wurde also ganz klar zuerst für kleine Displays gedacht und dann für den Desktop. So kann man bei Instagram und Co. einige Einstellungen auch tatsächlich nur über mobile vornehmen. Geht es also um solche Projekte und liegt der Fokus von Anfang an so klar auf Mobile, geht auch das Design den Weg von „mobile first“.

Aber mal zurück zum Design. Bevor man sich Gedanken dazu machen musste, welche Inhalte wie und wo auf Smartphone und Tablet adaptiert werden können, gabe es zuerst die Veränderung im Design selbst. Webseiten mit einfachen Menüleisten, einfachen Bildslidern und reinen Textseiten sind vorbei. Große und emotionale Bilder, die ganze Seiten füllen, stylische Onepager ohne lästige und überladene Menüpunkte und slidende Bild- und Textkombinationen bestimmen das Bild der Webseiten – und solche Inhalte lassen sich auf mobile Endgeräte doch wesentlich besser ummünzen als Tabellen und Textwüsten. Bei vielen Unternehmen und Projekten liegt der Fokus also noch auf der eigenen Webseite – und auch die muss immer spektakulärer und zugleich noch schneller erfassbar werden. Und dann ist für die Designer klar, hier – im Großen – beginnt man und dann geht es auf Smartphone und Tablet. Aussagen wie „immer zuerst für die kleinen Displays konzipieren“ sind also vielleicht ein wenig zu starr und zu fixiert auf den mobilen Hype. Ohne altbacken zu wirken, sollte sich ein Designer also nicht schämen, wenn er sagt, er beginnt nacht wie vor mit der Desktop-Variante. Mobile steht auch bei uns ganz oben auf dem Plan, aber wir halten nichts von übereifrigen, einseitigen und starren Ideenverfolgungen. Wir beginnen je nach Projekt und Idee mit der Version, die sich am besten eignet.

Und als Schlusswort: es gibt in der heutigen Zeit doch trotzdem nichts Schöneres, als eine übersichtliche, gut strukturierte und funktionierende Mobile-Variante einer Seite. Auch wenn MOBILE FIRST längst nicht mehr neu ist, gibt es für viele Seiten wirklich Nachholbedarf.