Moderner Journalismus auf Niederländisch.

24th Jul, 2015

Van a tot z lezen – das muss man dank Blendle jetzt auch in Deutschland nicht mehr.

Früher hat man eine Zeitung abonniert und sich von A bis Z durch die Seiten gelesen, schließlich hat man ja auch für die ganze Zeitschrift bezahlt. Aber wieso kann man nicht nur für Artikel bezahlen, für die man sich auch wirklich interessiert? Es geht. Die Niederländer machen es vor. Ein Nachrichten-Magazin ganz ohne Abos und ohne Werbung – das ist Blendle. Im April 2014 ist Blendle mit der Idee, den Online-Journalismus zu revolutionieren, gestartet. Ende 2014 investierten die New York Times und der Axel Springer Verlag in das niederländische StartUp und mittlerweile hat es bereits 130.000 registrierte Nutzer vorzuweisen.

Das iTunes für Nachrichten ist quasi ein verlagsübergreifender Artikel-Pool. Dahinter steht Marten Blankesteijns und ein großes Team an Menschen, die alle davon überzeugt sind, dass im Netz mehr geht, als putziger Katzencontent. Und die Idee dahinter – Online-Journalismus muss sich wieder lohnen und das Konzept, dass die Leute für guten Journalismus auch wieder was bezahlen – kommt offenbar an. In Zeiten, in denen Individualismus groß geschrieben wird und in einer Welt, wo man sich längst seine ganz eigene Pizza kreieren, sein ganz eigenes Fernsehprogramm zusammenstellen und die Playlisten komplett auf sich abstimmen kann – ist es nicht weit hergeholt, sich auch komplett selbstbestimmt mit journalistischen Informationen zu versorgen.

Auf ins Nachbarland.

Seit Anfang April ist Blendel für den Deutschen Markt zugänglich. Vorerst nur mit der abgespeckten Variante – und im Spätsommer geht es dann hierzulande richtig los. Größter Kritikpunkt, der momentan aufkommt: das Modell funktioniert in den Niederlanden so gut, weil es kein Überangebot kostenloser Inhalte in holländischer Sprache gibt. Das ist in Deutschland anders, hier gibt es bereits ein großes Angebot an kostenlosen Artikeln. Doch auf jeden Fall gelten für die in deutscher Sprache publizierenden Medien die gleichen Bedingungen – die Verlage hierzulande müssen also nicht zurückschrecken. Und außerdem ist sich Marten Blankesteijns sicher, dass durch das neue Modell auch Leser anfangen, für Inhalte zu zahlen, die das vorher nicht getan haben. Schließlich haben die Leute auch lange Zeit nichts für Filme und Musik bezahlt – bis es Netflix und Spotify gab.

Blendle kooperiert bereits mit allen großen Magazinen, Zeitschriften und Zeitungen im deutschen Nachbarland und jetzt auch hier. Zeitungen, Magazine und Verlage wie Die Welt, Gala, Der Spiegel, Brigitte, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Cicero, Bilanz, BZ, Thüringer Allgemeine und einige mehr sind schon dabei. Die Expansion in weitere europäische Länder ist geplant, aber um in einem Land an den Start zu gehen, brauchen Sie die Hälfte der dort ansässigen Zeitungen.

Und was ist mit dem Marketing fürs Online-Magazin? Damit der Auftritt in Deutschland marketingtechnisch auch nach vorne geht, sucht Blendle momentan einen Marketing-Manager für den Deutschen Markt. Rein optisch kommt Blendle mit einer klaren, jungen und gradlinigen Optik in Rot-Weiß daher. Klein geschriebener Markenname für eine moderne und im wahrsten Sinne des Wortes dynamische Idee. Geradlinigkeit und Schnörkellosigkeit für ernst zunehmenden Journalismus. Die Online-Plattform wird natürlich von Facebook, Twitter und Google Plus begleitet. Für Deutschland wurde bisher noch keine Werbetrommel gerührt – aber das soll sich ja ändern. Der Leitspruch „Blendle – das iTunes für Nachrichten“ ist ebenso ambitioniert wie schlüssig – und kommt an.

Und Apropos Design: im Design der Darstellung benutzt Blendle für die einzelnen Magazine und Zeitschriften verschiedene Farben, Formate und Layouts. So werden diese erst authentisch und der Leser hat das Gefühl, wirklich unterschiedliche Zeitungen in den „Händen“ zu halten.

Die Vorteile des umfangreichen Digitalkiosks auf einem Blick:

1) Über ein zentrales Portal werden einzelne Artikel aus den einzelnen Ausgaben verkauft – und der Leser kann sich quasi seine eigene „Read-List“ zusammenstellen. Quasi „iTunes for the press“.

2) Kein Abo also. Die Leser müssen sich nicht für ein ganzes Magazin entscheiden und ein Abo kaufen, sondern kann selektiv entscheiden, welche News es am Frühstückstisch geben soll. Das von A bis Z durcharbeiten einer Zeitung fällt weg.

3) Werbung ist tabu. Weil man hier eben für die Artikel bezahlt, fallen die lästigen Werbeanzeigen weg, die sonst nur aus rein finanziellen Gründen auf Online-Plattform erscheinen.

4) Über den einmalig erstellten Account können die Artikel dann bequem bezahlt und erworben werden. Pro Artikel muss man so im Schnitt mit 20-30 Cent rechnen – dabei gehen 70 Prozent an den Verlag und 30 Prozent an Blendle selbst.

5) Das authentische Gefühl steht im Vordergrund. Nur weil es digitaler Journalismus ist und quasi auf ein Medium zurückzuführen ist, muss nicht alles gleich aussehen. Laut Blendle soll sich ein Artikel aus der New York Times auch anfühlen wie ein Artikel aus der New York Times. Ein Artikel aus einem trashigen Magazin, soll sich auch genauso anfühlen.

6) Sollte der Artikel mal nicht das sein, was man sich erhofft hat – dann gibt es die Geld-zurück-Möglichkeit. Wird diese allerdings zu oft in Anspruch genommen, dann wird die Funktion vorübergehend gesperrt.

Der personalisierte Online-Zeitungsständer von Marten Blankesteijns gehört also definitiv in unsere Kategorie „Ich hab's gemacht.“