We are Scroller.

8th Feb, 2016

Ein kleiner Selbsttest zu Beginn:

Nehmt euer Smartphone und klickt auf eine eure Lieblingsseiten oder Facebook. Zählt spontan mit, wie oft eurer Daumen die typische Scrollbewegung vollzieht, bis ihr das Ende der Seite erreicht habt oder die Seite wechselt. Und?

Von Scroll-what? zu Scrollathon - Eine kleine Historie des Scrollens

Erstaunlich, wie wir uns unbewusst und oftmals ganz nebenbei Kilometer von Content mit unserem Daumen erschließen. Die Heavy User unter uns schaffen sogar bis zu 2 km am Tag. Historisch gesehen war das nicht immer so. Noch in den guten alten 90ern zerbrachen sich Web-Designer ihre Kreativköpfe darüber, wie man den Content above the fold am besten präsentieren könne - also Inhalt, der dem Nutzer ohne Scrollen auf einer Website angezeigt wird. „Users don’t scroll!“ lautete 1996 die verbindliche Regel des Usability Design Papstes Jakob Nielsen, die er aber bereits ein Jahr später revidierte zu „Scrolling now allowed.“ Mag diese Einschränkung heute skurril anmuten, so wussten viele Nutzer zu dieser Zeit tatsächlich nicht, wie man scrollte. Heutzutage ist Scrollen so natürlich und selbstverständlich, dass Apple bereits 2011 die Scrollbar vom Mac OS X entfernte.

Wir scrollen - no matter what! Ein Blick um uns - in der Bahn, auf Arbeit, abends in der Bar - genügt: Es wird gescrollt und das oftmals mit nur gelegentlichen Stopps. Trotzdem gibt es zahlreiche Studien, die zu belegen versuchen, wieviel Zeit ein Nutzer mit Inhalten above oder below the fold verbringt. Besonders anschaulich zeigt der Test von Huge, dass die magische Grenze des fold wirklich keine Rolle spielt. Die Designer verglichen Test-Designs, bei denen es: 1) keinen Hinweis, 2) den klassischen Scroll-Pfeil oder 3) verschiedene Bildelemente gab, die zum Scrollen animieren sollten. Das Ergebnis: Nahezu alle Nutzer scrollen umgehend und das auch bis zum Ende der Seite. Unabhängig davon, ob und welcher visuelle Hinweis zum Scrollen gegeben war. Entscheidend ist deshalb nicht, was above the fold präsentiert wird, sondern dass die verwendeten Elemente zum präsentierten Inhalt passen. Handelt es sich um Textblöcke, Bilder, Videos? Werden auf der Seite E-Commerce, Leitartikel oder News gezeigt?

Scroll-Stopper Die zentrale Frage lautet deshalb: Wann und warum stoppt unser Daumen? Was veranlasst uns als Nutzer vom oberflächlichen Screening auf bewusstes Wahrnehmen zu switchen? Dafür müssen Marken und Unternehmen geschickte Kommunikationsstrategien entwickeln. Besonders gelungen ist z.B. die Echtzeit-Kommunikation von Pick-Up zum RTL-Dschungelcamp. Ebenso wirksame Daumen-Stopper: Videos, die zunächst Irritation und dann das berühmte Lächeln hervorrufen. Aktuelles Beispiel, der Spot von Peta. Wir sind jetzt im unserem Neujahrsvorsatz uns gesünder, d.h. auch fleischfreier, zu ernähren endlich durch das richtige Argument bestärkt! Ob der Daumen tatsächlich stoppt, hängt natürlich von vielen Faktoren ab. Aber: Der Daumen ist ein zuverlässiger Seismograph. In einem Pre-Test, z.B. mit einem Fake-Stream, lässt sich relativ schnell und unkompliziert ermitteln, ob bei Nutzern der Daumen stoppt oder nicht.

Bis zum Ende dieser Seite gescrollt? Wir bei torpedo entwickeln nicht nur scroll-stories sondern sorgen auch dafür, dass der Daumen an der richtigen Stelle stoppt.

P.S.: Wer seine zurückgelegten Scroll-Meter ganz genau ermitteln will, kann das mit dem „Scroll-o-meter“. Mit dieser Browser-Extension kann man sich die gescrollten (Kilo)Meter in Form eines Joggers am unteren Bildschirmrand anzeigen lassen.